Interview mit Klaus Teske, Vorstand der Stiftung Drachensee

Klaus Teske ist Vorstand der Stiftung Drachensee und Mitglied des Kuratoriums der Special Olympics Kiel 2018. Die Stiftung Drachensee ist auf vielfältige Weise Partner und Unterstützer der Nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung im Mai 2018 in Kiel und stellt mit 46 teilnehmenden Athletinnen, Athleten und Unified Partnern eine der größten Teilnehmer-Delegationen des Gastgeberlandes.

Klaus Teske, Vorstand Stiftung Drachensee (Foto: Stiftung Drachensee)
Klaus Teske, Vorstand Stiftung Drachensee (Foto: Stiftung Drachensee)

Klaus Teske begann 1981 als Mitarbeiter am Drachensee, war von 1984 bis 1995 Leiter des Wohnbereichs und ist seit 1995 Vorstand der Stiftung Drachensee. Im Interview stellt er seine Einrichtung vor und gibt SOD Auskunft über die Athletinnen und Athleten der Stiftung und das Engagement für Special Olympics.

Herr Teske, welche Sportarten werden in der Stiftung Drachensee angeboten?

Die Stiftung Drachensee bietet im Rahmen ihrer Freizeitangebote den Freizeitclub Fußball, der seit 42 Jahren existiert und bei dem auch Pierre Petersen, ein „Gesicht der Spiele“, aktiver Fußballer ist. Der Fußballclub (V.f.R. Minerva) pflegt seit seiner Gründung eine enge Freundschaft zum Berliner Fußball.

Seit 45 Jahren aktiv ist der Freizeitclub Kegeln. Darüber hinaus werden der Inklusive Lauftreff, Leichtathletik, die Sport- und Fitnessgruppe der Offenen Hilfen Kiel sowie die integrative Fußballgruppe in Kooperation mit dem Turnverein Hassee-Winterbek (THW) und der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung in Kiel angeboten.

Da der Bezug zum Wasser auch in der Stiftung Drachensee selbstverständlich ist, bekommen Wassersportbegeisterte die Möglichkeit, auf dem „Traumdrachen“ zu segeln und das Segeln zu lernen. Der „Traumdrache“ ist eine Segelyacht, die in 14 Jahren Bauzeit in der Werkstatt der Stiftung Drachensee entstand.

Seit wann ist Ihre Einrichtung bei Special Olympics Wettbewerben am Start?

Die Stiftung Drachensee beteiligt sich seit 2000 mit den Sportarten Leichtathletik, Tischtennis, Badminton, Reiten, Fußball und Judo an den Special Olympics. Die Wettbewerbsbeteiligung unserer Sportlerinnen und Sportler ist Teil ihrer Leidenschaft für den Sport. Die Special Olympics sind in diesem Zusammenhang eine feste Größe und daher allen bekannt.

Wie oft wird durchschnittlich trainiert?

Trainiert wird in den Freizeitclubs mindestens einmal pro Woche, in der Vorbereitung auf Wettkämpfe oder Turniere auch zweimal pro Woche.

Gibt es Unified-Angebote oder integrative Sportgruppen?

Grundsätzlich sind alle Sportangebote der Stiftung Drachensee inklusiv und somit offen für sportbegeisterte Menschen mit und ohne Behinderungen. Besonders Fußball, Reiten und Tischtennis sind hier hervorzuheben.

Womit stechen die „Drachenseer“ hervor?

Die Sportlerinnen und Sportler der Stiftung Drachensee sind bekannt für ihren Kampfgeist, ihre gute Laune und Fairplay. Dies wird auch bei den kommenden Wettbewerben für sportliche Erfolge sorgen.

Wie akzeptiert ist die Special Olympics Arbeit innerhalb der Einrichtung? Wird das Thema gefördert?

Die Teilnahme an den großen Wettbewerben ist natürlich ein enormer Ansporn für die Athletinnen und Athleten. Die ehrenamtlichen Trainer in den Freizeitclubs fördern den Wettkampfgedanken und machen gezielt Lust auf sportliche Herausforderung wie die Teilnahme an Special Olympics Veranstaltungen.

Auf welche Weise werden die Special Olympics Aktivitäten innerhalb der Einrichtung publiziert?

Innerhalb der Stiftung nutzen wir alle zur Verfügung stehenden Medien zur Verbreitung des Themas Special Olympics. Dazu zählen unsere Webseite, Aushänge an den Standorten, in den Freizeitclubs und den Wohnhäusern und die stiftungsweite Verteilung der Flyer. Darüber hinaus behandeln wir Special Olympics in unserem Newsletter, der Drachensee-Info, und binden die Beiräte der Stiftung zur Informationsweitergabe ein. Zusätzlich wird sich ein SO-Team am 13. Februar beim 50. Inklusiven Karneval im Kieler Schloss, zu dem etwa 1000 Besucherinnen und Besucher erwartet werden, mit einem Informationsstand präsentieren.

Wie ist die Aufmerksamkeit und ggf. Förderung im gesellschaftlichen Umfeld — der Stadt, des Bundeslandes?

Kiel ist schon immer ein Anlaufpunkt für Sportlerinnen und Sportler gewesen und mit dem Sport eng verbunden. Segeln, Fußball und Handball gehören zum Stadtgeschehen und sind Themen in der Stiftung Drachensee, welche ebenfalls über viele Schnittstellen zu Vereinen verfügt und Sportangebote vorhält.
Der Sport schlägt hier Brücken zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger und den Anspruch, eine Botschaft vor sich her zu tragen. Das Miteinander und der Spaß stehen im Vordergrund.

Ebenso sportbegeistert ist das restliche Schleswig-Holstein. Hier finden regelmäßig inklusive Wettkämpfe statt, an denen sich auch Athletinnen und Athleten der Stiftung Drachensee beteiligen.

Ganz besonderen Dank richten wir an „Intus“, das Kieler Netzwerk für Sport und Inklusion, welches sich unermüdlich für den inklusiven Sport in Kiel und in Schleswig-Holstein stark macht und mit dem wir eine enge Verbundenheit pflegen.

Welche Erfahrungen bzgl. der Entwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung durch den Sport und die Beteiligung an Special Olympics Wettbewerben gibt es seitens der Einrichtung?

Sport ist ein verbindendes Thema, mit dem Barrieren überwunden werden und Offenheit gefördert wird. Die Sportlerinnen und Sportler wachsen über sich hinaus und erhalten durch sportliche Aktivitäten einen nachhaltigen Schub in Ihrer Selbstwahrnehmung und Entwicklung.

Der sportliche Erfolg misst sich nicht an Äußerlichkeiten sondern ausschließlich an der erbrachten Leistung. Er gibt positives Feedback in Bezug auf das eigene Handeln, was eine grundlegende Stärkung des Gemeinschaftsgedankens zur Folge hat — wir als Teil des Ganzen und das Ganze ein Teil von uns.

Was sind die Vorhaben und Ziele der teilnehmenden Athletinnen und Athleten bei den Special Olympics Kiel 2018?

Die Athletinnen und Athleten der Stiftung Drachensee werden sich hochmotiviert beteiligen und versuchen, ihren Heimvorteil zu nutzen um neben dem Spaß an der Teilnahme auch gute Platzierungen zu erreichen. Das Ziel ist: Dabei sein, das Beste geben und Erfolge feiern.

Was steht darüber hinaus noch an Wettbewerben an in diesem Jahr?

Das Sportjahr 2018 hält für unsere Sportlerinnen und Sportler neben den Special Olympics Kiel 2018 noch weitere Wettkampfturniere bereit. Dazu zählen unter anderem die Landesmeisterschaft im Hallenhockey, die Futsal-Landesmeisterschaft Schleswig-Holstein, ein Leichtathletikwettkampf für Menschen mit Down-Syndrom, das Tischtennisturnier von Special Olympics Deutschland in Schleswig-Holstein e.V. sowie das Landessportfest in Lübeck.

Eine Frage zum Schluss: Herr Teske, mit welchen Argumenten würden Sie einer anderen Einrichtung empfehlen, sich an Special Olympics zu beteiligen?

Special Olympics ist eine großartige Bewegung, die Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen bringt, die den Sportsgeist fördert und in großem Rahmen darauf aufmerksam macht, dass Behinderungen kein Ausschlusskriterium für Leistungsfähigkeit, Respekt und gute Laune sind, weder auf dem Sportplatz noch in der Gesellschaft.